Pulkas auf winterlichen Skitouren

Wintertouren eröffnen völlig neue Horizonte bei der Erkundung neuer Regionen und Gebiete. Wenn der Frost die Natur im Griff hat, lassen sich außergewöhnliche Routen über zugefrorene Seen und Flüsse sowie schneebedeckte Moore planen, die zuvor völlig unpassierbar waren. 

Es ergeben sich neue Vorteile – man kann sein Zelt überall aufschlagen, fast jede Oberfläche ist eben und für ein Lager geeignet. Doch es entstehen auch neue Herausforderungen,

selbst wenn Sie ein sehr erfahrener Sommerwanderer sind: Die Schneeverhältnisse bringen Sie dazu, neue Fortbewegungsarten zu entdecken – auf Skiern oder Schneeschuhen. Zudem ermöglicht der Schnee eine überaus elegante Lösung: auf den Rucksack zu verzichten und den Rücken durch den Einsatz großer Pulkas komplett zu entlasten. 

Sprechen wir über die Vor- und Nachteile sowie die Besonderheiten ihres Einsatzes.

Was sind Pulkas?

Große Lastenschlitten auf Wintertouren werden als Pulkas oder Zugschlitten bezeichnet (historisch im Russischen: Wolokuscha u. a.). Eine spezielle Vorrichtung zum Lastentransport, die in den nördlichen und nordöstlichen Gouvernements des Russischen Kaiserreichs weit verbreitet war – ein direkter Vorläufer des Schlittens. Im 19. Jahrhundert hieß es im Wörterbuch von Dal: „Es gibt Dörfer in unwegsamen Wäldern und Mooren; die Bewohner kennen kein Rad, sondern fahren auf nassem Moos auf Schlepphölzern...“

Im Englischen bezeichnet der Begriff Pulk — ein System aus Schlitten, Zuggeschirr und Verbindung zwischen Läufer und Schlitten. Skipulk ist dasselbe System, jedoch mit einem starren Zuggestänge, um den Schlitten bei steilen Abfahrten zu kontrollieren. Hinzu kommen Bezeichnungen wie Expedition Snow Pulk.

Ich bin leidenschaftlich gern mit der Pulka unterwegs und organisiere einzigartige Ski-Expeditionen mit Pulkas und Kaltübernachtungen in Tunnelzelten von Hilleberg, Fjällräven und Helsport. Ebenso biete ich klassische Skitouren mit Rucksäcken und beheizbarem Tipi-Zelt mit Ofen an. Schauen Sie sich das Reiseprogramm an!

Wo einsetzen?

Ideale Einsatzgebiete für Pulkas sind die Arktis, Antarktis und Grönland. Grenzenlose Schneeweiten, pure Freiheit! Natürlich beschränkt sich die Nutzung großer Zugschlitten nicht auf diese drei Regionen, sondern eignet sich überall dort, wo man sich auf Skiern in relativ flachem Gelände bewegen und große dichte Waldgebiete meiden kann. Solche Bedingungen finden sich auf der Halbinsel Kola, im Subpolaren Ural, auf Jamal, Tschukotka oder Kamtschatka sowie bei kürzeren Touren im Zentralbereich.

So habe ich beispielsweise mehrfach Pulkas bei Touren im Moskauer Umland genutzt und erfolgreich ein riesiges Tentipi-Zelt für 17 Personen samt Ofen gezogen – insgesamt rund 40 kg Transportgewicht.

Auch auf Skitouren im Norden der Halbinsel Kola rund um den Imandra-See, die Chibinen, Kolwiza, Teriberka und die Lowosero-Tundren ziehe ich mit der Pulka los und begeistere Freunde für diesen Stil. Jahrelange Experimente mit Zuggeschirren, Schlittengrößen und Ladungssicherung führten zu klaren Empfehlungen für die Ausrüstungsvorbereitung, über die ich im nächsten Artikel berichte.

Vorteile

  • Ein fantastisches Gefühl der Leichtigkeit im Rücken!) Im Winter bei Kälte führt man mehr Ausrüstung mit, sie ist voluminöser und schwerer. Die Fortbewegung im Schnee bei Minusgraden erfordert ohnehin viel Energie. Daher ist es überaus sinnvoll und effizient, den Rücken komplett zu entlasten und trocken zu halten.
  • Sobald Sie anhalten, um auf die Karte zu schauen oder auf Begleiter zu warten, beginnt im selben Augenblick Ihre Erholung. Es entfällt die Notwendigkeit, den Rucksack balancierend auf Skiern in den Schnee abzustellen und ihn danach mit dicken Fausthandschuhen mühsam wieder aufzusetzen und den Hüftgurt einzustellen – das kann jedes Mal einige Minuten dauern, alles schon erlebt))
  • Man kann deutlich mehr Gewicht transportieren als im Rucksack. Das beste Beispiel sind Polarexpeditionen über 2–3 Monate, bei denen das Pulka-Gewicht oft 170 kg erreicht. Bei einer autonomen Tour in flachem Gelände lässt sich mehr mitführen und weiter vordringen.
  • Ein Pulka-System ist meist günstiger als ein hochwertiger Winter-Expeditionsrucksack.
  • In großen Pulkas lässt sich die Ausrüstung besonders bequem organisieren. Sogar empfindliche Ausrüstungsgegenstände können geschützt in Hardcases oder Kisten transportiert werden. Die in Russland bekanntesten Modelle wie die „Pulka Arktika“ bieten etwa 150 l Packvolumen, größere Modelle wie die „Nr. 13“ rund 250 l. Das beschleunigt den Aufbruch am Morgen und den Lageraufbau am Abend erheblich. Skandinavier nutzen gern sogenannte „Pulk Bed Bags“ – riesige Transportsäcke, in denen Isomatte und Schlafsack unkomprimiert verstaut werden, was Aufbauzeit spart und den Schlafsack tagsüber lüften lässt.
  • Die Pulka dient als bequeme Sitzbank. Für eine kurze Pause müssen Sie nicht einmal die Ski abschnallen: einfach auf die Pulka setzen und die warme Mahlzeit aus der Thermoskanne genießen.
  • Expeditionsflair. Es vermittelt eine besondere Atmosphäre von Freiheit und echtem Pioniergeist klassischer Polarexpeditionen.

Nachteile

  • Als einzigen echten Nachteil sehe ich den etwas sperrigeren Transport der Pulka zum Startpunkt der Route. Ideal ist es, den Schlitten in den Kofferraum zu laden und komfortabel direkt zum Ausgangspunkt zu fahren. Bei Reisen mit der Bahn oder dem Flugzeug ist das Handling etwas aufwendiger als mit einem Rucksack, da sich ein großer Schlitten schlechter schultern lässt. Es gibt jedoch bewährte Lösungen: Meist befestige ich das Zuggeschirr mit Karabinern an der Wanne oder nutze Schultergurte an der Abdeckung, um sie vom Taxi zum Zugabteil oder Sperrgepäckschalter am Flughafen zu tragen.
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Besonderheiten

  • Bei der Fortbewegung in ebenem Gelände reicht in den allermeisten Fällen ein Langlauf- oder Backcountry-Ski mit Schuppenprofil. Nur in seltenen Fällen bei hartem, windgepresstem Harsch ist ein kurzes oder langes Steigfell nötig. Weist die Route jedoch Höhenunterschiede auf – selbst moderate von 5–20 m –, ist ein durchgehendes Steigfell Pflicht, da der Aufstieg mit Schlitten sonst unverhältnismäßig viel Kraft und Zeit kostet.
  • Die Reisegeschwindigkeit ist zeitweise etwas geringer als mit dem Rucksack, bedingt durch den Gleitwiderstand und den Ruck beim Antritt.

Um ein voll funktionsfähiges Set zusammenzustellen, sind handwerkliches Geschick und Erfahrung gefragt. Da ein komplettes Pulka-System internationaler Premium-Marken wie Acapulka oder Fjellpulken rund 700 Euro kostet und der Sperrgutversand nach Russland weitere 600 Euro beträgt, ist ein solcher Direktkauf oft unrentabel.

Deshalb habe ich mein eigenes Setup jedes Jahr weiterentwickelt. Zusammen mit meinem geschätzten Kollegen Denis, Meister bei „Territorija Stranstwij“, haben wir eine Konstruktion aus fester Wanne mit integriertem Packsack und Zuggeschirr entwickelt. Das System hat sich hervorragend bewährt: So entstand eine maßgeschneiderte Lösung für den Einsatz im hohen Norden – die Pulka „Arktika“ mit fest vernähtem Packsack aus hochfestem 420D-Nylon (150 g/m², PU-Beschichtung 2000 mm), die die Ausrüstung absolut zuverlässig vor Nassschnee schützt. Die Schlittenkanten sind modifiziert, die Bordwände mit Aluminiumschienen verstärkt und stabile Bergegriffe eingearbeitet.

Das Modell hat sämtliche Härtetests im Einsatz mit Bravour bestanden und kann ab sofort bestellt werden:

„Pulka Arktis“ ansehen

Schauen Sie sich gern auch mein Video über die richtige Auswahl von Expeditionspulkas für Skitouren und den direkten Vergleich mit dem Rucksack an.