Testbericht zum Zelt Hilleberg Nallo 2 GT
Ich hatte die Gelegenheit, Zelte verschiedener Marken und Preiskategorien zu testen – von Tramp und Decathlon bis hin zu Fjällräven, Helsport und Hilleberg. Bei der Nutzung stellte sich heraus, dass Hilleberg bis ins kleinste Detail maximale Schlichtheit und Benutzerfreundlichkeit bietet. Dies sind die robustesten und langlebigsten Zelte mit außenliegendem Gestänge und einem Außenzelt, das bis zum Boden reicht.
Abmessungen

Persönliche Praxiserfahrungen
Das Zelt war auf zwei Wintertouren im Norden im Einsatz: im Februar in den Lowosero-Tundren, im März in den Kolwiza-Tundren sowie auf rund zehn Wochenendausflügen. Ich habe die Modelle Hilleberg Unna und Soulo genutzt, besitze das Enan sowie das Kaitum 2 GT und bin von der Nutzung der Hilleberg-Zelte schlichtweg begeistert. Das Nallo 2 GT besticht vor allem durch sein hervorragendes Verhältnis von Stabilität zu Gewicht, insbesondere in der Version ohne Vorzelt. Beide Varianten weisen jedoch einen wesentlichen Nachteil auf, auf den ich später noch eingehen werde.
Auf einigen Fotos ist das Zelt nicht optimal abgespannt und die Abspannleinen sind nicht ganz korrekt angebracht – bedingt durch erste Erfahrungen im Umgang mit einem Tunnelzelt oder den Wunsch, Zeit zu sparen. Hilleberg-Tunnelzelte haben eine Besonderheit: Beim ersten Mal ist der Aufbau nicht ganz intuitiv, nach einigen Touren geht er jedoch deutlich schneller und leichter von der Hand als bei Kuppelzelten.

Einsatzbereich des Zelts
Das Hilleberg Nallo 2 GT ist ein 4-Jahreszeiten-Zelt und mit 2,9 kg das leichteste 2-Personen-Zelt mit verlängerter Apsis im Sortiment von Hilleberg (die Version Nallo 2 ohne GT-Apsis wiegt 2,4 kg). Was die Stabilität betrifft, eignet es sich meiner Meinung nach für fast alles – mit Ausnahme des Nord- und Südpols, der stürmischsten Regionen Patagoniens und Höhenlagen über 7.000 m. Für solche Extrembedingungen empfiehlt sich die Black-Label-Serie, die noch robustere Reihe von Hilleberg.
Black Label lohnt sich auch zur Verlängerung der Lebensdauer: Die Materialien sind dicker, die Silikonisierung stärker und das Innenraumvolumen großzügiger bemessen.
Das Nallo 2 GT eignet sich auch für Sommertouren, allerdings primär in nördlichen Regionen oder im Hochgebirge. Für die Krim oder den Lykischen Weg in der Türkei im Hochsommer ist es kaum die ideale Wahl: Das Außenzelt reicht bis zum Boden und die Belüftung ist eingeschränkt, sodass die Luft im Zelt zirkulieren kann und sich schnell aufheizt. Wenn Ihre Touren sehr vielfältig sind, empfiehlt es sich idealerweise, mehrere Zelte für unterschiedliche Anforderungen zu besitzen.

Die GT-Apsis
GT bezeichnet die Version mit verlängerter Apsis. Eine solche Konstruktion lässt sich bauartbedingt nur als Tunnelzelt realisieren. Manche Kuppelzelte greifen daher auf diese Lösung zurück und bilden eine Hybridkonstruktion, wie beispielsweise das Hilleberg Saitaris oder das Helsport Svalbard. Eine große Apsis bietet ausreichend Raum zum Kochen und zur Lagerung von Ausrüstung – ein unschätzbarer Vorteil bei Regen, Sturm, Schnee und Kälte. Im Winter grabe ich in der Apsis eine Grube, um bequem sitzen und Ausrüstungsarbeiten erledigen zu können. Für Touren in kleinen Gruppen von 1–6 Personen ist das extrem komfortabel. In größeren Gruppen wird meist außerhalb gekocht, wodurch der Nutzen der GT-Apsis etwas in den Hintergrund tritt.

Auf der Tour durch die Lowosero-Tundren verstaute ich sämtliche Verpflegung und die gemeinsame Ausrüstung in der Apsis des Nallo 2 GT, da im BA Copper Spur Expedition 2 und im Ferrino Pilier 2 lediglich Platz für persönliche Gegenstände und Schuhe blieb. Das großzügige Volumen erlaubt es sogar, Skier im Zeltinneren zu reparieren – bei Schneesturm im offenen Gelände ein entscheidender Vorteil. Auch bei Packrafting-Touren, Radreisen, Motorradabenteuern und allen Unternehmungen mit viel Ausrüstung ist dies äußerst praktisch.

Hilleberg Nallo ohne GT-Apsis
Diese Version überzeugt durch ein herausragendes Verhältnis von Gewicht zu Zuverlässigkeit. Die Variante ohne verlängerte Apsis hat jedoch ein Manko: Der Eingang liegt mittig und nicht seitlich. Das ist unkomfortabel, da man sich tief ins Vorzelt hinunterbeugen muss, um den Reißverschluss zu öffnen oder zu schließen. Zudem lässt sich die Abspannleine der oberen Belüftung kaum so anbringen, dass sie beim Betreten und Verlassen des Zelts nicht stört.

Achten Sie stets auf eine gute Querlüftung. Durch Verbrennungsgase beim Kochen im Vorzelt kommt es alljährlich zu tödlichen Unfällen; bei schlechter Belüftung geschieht dies oft in weniger als 5 Minuten – man schläft unbemerkt ein und denkt fälschlicherweise, man sei nur müde. Ein weiteres Sicherheitsrisiko besteht, falls der Kocher instabil brennt und das Außenzelt in Brand setzen könnte.

Belüftung
Es gibt insgesamt nur zwei Lüftungspunkte:
- Ein Fenster an der Stirnseite der Apsis. Es lässt sich weit öffnen, und die Hutze ist mit einem integrierten Draht verstärkt, der ein Einknicken unter Schnee- und Windlast verhindert. Das Lüftungsfenster selbst ist makellos konstruiert.
- Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich am unteren Saum des Außenzelts ein Reißverschluss, mit dem sich der Zeltstoff anheben lässt, was im offenen Gelände gut funktioniert. Luft strömt von unten nach, wodurch warme und feuchte Dämpfe über den oberen Lüfter der Apsis entweichen können.
Steht das Zelt jedoch in hohem Gras, ist im Schnee eingegraben oder herrscht Windstille, reicht dies nicht aus. Ein zusätzlicher Lüfter an der hinteren Stirnseite sowie ein weiterer an der Apsis werden schmerzlich vermisst. Zwar kann man gelegentlich den kleineren Apsiseingang offen lassen, um die Ventilation spürbar zu erhöhen, dies ist jedoch wetterbedingt nicht immer möglich. Genau aus diesem Grund schaue ich mir Modelle wie das Fjällräven Abisko Shape 2 genauer an und nutze derzeit das Helsport Lofoten SL 2.

Besonderheiten des Tunnelzelts
Tunnelzelte bieten gegenüber Kuppelzelten überzeugende Vorteile:
- Einfacher Aufbau: Wenn Sie zum ersten Mal mit einem Tunnelzelt unterwegs sind und die Handgriffe noch nicht sitzen, wirkt der Aufbau zunächst komplex. Das Zelt lässt sich nicht wie eine Kuppel einfach im aufgebauten Zustand versetzen, die Maße sind nicht sofort ersichtlich und man unterschätzt eventuell den Platzbedarf am Standplatz. Nach einigen Touren ändert sich das grundlegend und Sie lernen die geniale Schlichtheit schätzen. Bei Starkwind gelingt der Aufbau mühelos: Alle drei Gestängebögen werden flach auf dem Boden eingeführt, ein Ende wird am Boden verankert, und schließlich zieht man das Zelt mit dem Wind auf und fixiert die andere Seite. Bei Windstille lässt es sich bewusst flexibel aufstellen, etwa um einen Felsblock herum oder indem ein Busch in der Apsis integriert wird.
- Optimales Verhältnis von Gewicht, Raumangebot und Windstabilität: Bei gleichen Parametern ist ein Tunnelzelt stets leichter als ein Kuppelzelt. Und auf anspruchsvollen Touren ist eine solide Stabilitätsreserve unverzichtbar.


Gestänge
In der Yellow- und Red-Label-Serie kommen 9-mm-Gestängebögen vom Typ DAC Featherlite NSL zum Einsatz. Dies ist das Spitzenmodell des südkoreanischen Herstellers DAC und garantiert maximale Zuverlässigkeit. Bei Zelten mit diesem Gestänge führe ich im Reparaturset lediglich das Nötigste mit: eine Reparierhülse.
Die Gestängesegmente sind an den Biegepunkten bereits vorgeformt, um Spannungsspitzen zu reduzieren und die Lebensdauer der Stangen deutlich zu erhöhen.

Die Gestängebögen werden von außen in robuste Gestängekanäle geschoben, die am geschlossenen Ende über feste Endkappen verfügen. Der Aufbau erfolgt somit komplett von einer Zeltseite aus, ohne dass man um das Zelt herumgehen muss.

Abspannleinen und Windstabilität
Alle Hilleberg-Zelte sind mit doppelten Abspannleinen ausgestattet, die direkt an den Gestängekanälen ansetzen. Die Befestigungspunkte am Zelt sitzen tief, was die Windstabilität signifikant verbessert. Die Leinen bestehen aus hochfesten Vectran-Fasern und Polyester in einer speziellen Flechtung, sodass sich Mantel und Kern nicht voneinander trennen. Es ist zwar kein Dyneema, doch sie nehmen kaum Feuchtigkeit auf und sind nahezu dehnungsfrei. Mit einem Durchmesser von 3 mm lassen sich die Leinen auch mit Fausthandschuhen oder dicken Fingerhandschuhen hervorragend bedienen.

Reißverschluss
Es kommen Reißverschlüsse von YKK zum Einsatz. Der Zeltstoff ist präzise zugeschnitten, sodass die Reißverschlüsse sauber und leichtgängig laufen. Wenn Sie diese regelmäßig von Sand und Schmutz befreien, bleibt die einwandfreie Funktion dauerhaft erhalten und das Zelt wird Ihnen über viele Jahre treue Dienste leisten.

Außenzelt
Kerlon 1200, 30 D hochfestes Ripstop-Nylon 66, Flächengewicht 49 g/m².
Weiterreißfestigkeit von mindestens 12 kg nach ISO 13937-4, Wassersäule 5000 mm/49 kPa nach ISO 811. Beidseitig mit 3 Lagen 100% Silikon beschichtet und beim Färben mit Naturfarben sowie beim Beschichten mit UV-Schutz versehen.
Das verwendete Nylon 66 gehört zu den strapazierfähigsten und hochwertigsten Geweben überhaupt. Zusammen mit der dreifachen Silikonbeschichtung bietet es eine außergewöhnliche Weiterreißfestigkeit von mindestens 12 kg und damit enorme Sicherheitsreserven. Ganz nach dem Grundsatz: Es ist besser, Reserven zu haben und sie nicht zu brauchen, als sie zu brauchen und nicht zu haben. Ob ein herabfallender Ast oder der Kontakt mit Steigeisen – das Risiko eines irreparablen Schadens ist im Vergleich zu gewöhnlichen Zelten verschwindend gering.

Das Material ist hochelastisch: Nach einem kleinen Einstich genügt es, mit den Fingern über die Stelle zu reiben, und die Öffnung schließt sich wieder. Folgen Sie mir in den sozialen Medien, um mehr über Zelte und Ausrüstung zu erfahren!


Zeltboden
70 D Nylon, 3-fach PU-beschichtet, Gewicht 90 g/m², Wassersäule 15.000 mm nach 147 kPa ISO 811, extrem abrieb- und durchstichfest.
Eine Polyurethan-Beschichtung ist am Zeltboden deutlich abriebfester und langlebiger. Obwohl sie etwas schwerer ist, setzt Hilleberg kompromisslos auf Zuverlässigkeit und eine lange Lebensdauer. Die extrem dicke Beschichtung von 15.000 mm dient nicht nur dem Schutz vor Nässe heute, sondern garantiert dauerhafte Dichtigkeit über Jahrzehnte hinweg – und das bei einem Gesamtgewicht von lediglich 2,9 kg.

Fazit
Die Philosophie des Firmengründers Bo Hilleberg – „Lösung konkreter Probleme statt bloßer Neuheiten“ – klingt wie ein schlichter Leitsatz, erweist sich in der Praxis jedoch als genial. Es ist die Spitzenklasse des Zeltbaus: präzise, minimalistische und durchdachte Lösungen. Kaum ein anderer Hersteller ist dem Ideal so nah.
Die Fertigung erfolgt in Estland. Sämtliche Komponenten, vom Reißverschlussschieber bis zum Außenzelt, werden vorab sorgfältig disponiert, intensiv getestet und streng kontrolliert. Jedes einzelne Zelt wird vor dem Versand komplett aufgebaut: Das Innenzelt wird eingehängt, Gestänge, Abspannwinkel, Reißverschlussspannung und Nähte werden akribisch geprüft. Nach dem Zusammenlegen folgt eine letzte Endabnahme. Ein eingenähtes Etikett nennt den Namen des Mitarbeiters, der persönlich für die Qualität bürgt. Es ist Manufakturarbeit auf höchstem Niveau, die Maßstäbe im Outdoor-Bereich setzt.


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