Warum
Ich liebe Wintertouren sehr für ihre Schönheit, die Härte der Bedingungen und die Freude an den Annehmlichkeiten der Zivilisation am Ende der Route. Im Winter gibt es viele Herausforderungen, eine der größten sind Lawinen. Ich versuche stets, lawinengefährdete Bereiche zu meiden und Routen so zu planen, dass gefährliche Pässe und schwieriges Gelände umgangen werden. Das ist jedoch gar nicht so einfach, wenn die Route gleichzeitig spannend und landschaftlich reizvoll bleiben soll. Was tun? Es gibt nur eine Lösung: Man muss lernen, die Lawinengefahr an einem Hang zuverlässig einzuschätzen. Genau deshalb habe ich mich für einen Lawinenkurs angemeldet.

Wo
Nach der Prüfung aller Angebote fiel die Wahl auf den Kurs von Michail Rjabtschikow bei Snowsense. Dafür gab es zwei Gründe.
Erstens: Der Kurs findet in den Chibinen statt, und die Halbinsel Kola ist die Hauptregion meiner Skitouren. Mischa lebt hier, arbeitet beim städtischen Lawinenwarndienst und kennt die Besonderheiten der lokalen Berge daher bestens.
Zweitens: Der Kurs richtet sich nicht nur an Freerider, sondern auch an Tourengänger und Bergsteiger. Es wird kaum Ski gefahren, und für die Geländearbeit während des Kurses kann man sowohl Schneeschuhe als auch Tourenski mit Steigfellen nutzen.

Wie
Die Schulung fand in Kirowsk im Stadtteil Kukiswumtschorr statt (Kirow-Straße 48). Das ist das Hotel „Gornaja Dolina“, in dessen Erdgeschoss sich der Seminarraum für den theoretischen Teil befand. Entsprechend empfiehlt es sich, möglichst nah an dieser Adresse zu wohnen, da das Programm sehr intensiv ist und nach folgendem Schema abläuft:
von 9 bis 13 Uhr: Theorie, danach 1 Stunde Pause — nach Hause gehen, essen, für die Geländepraxis umziehen und zurück zum Seminarraum.
von 14 bis 17 Uhr: Geländetraining, 1 Stunde Pause — essen, umziehen und zurück zum Seminarraum.
von 18 bis 21 Uhr: Theorie und Feierabend.
Der Kurs dauert 6 Tage.

Unterkunft
Unterkünfte gibt es im Viertel Kukiswumtschorr reichlich: Hostels, kleine Hotels, Ferienwohnungen. Ich habe eine Wohnung in einem Altbau aus der Stalin-Ära mit sehr authentischem Flair gemietet. Die Wände sind hier gut einen Meter dick, und der Boden vibriert mitunter von den Sprengungen beim Mineralienabbau von PhosAgro. In der Nähe gibt es lokale Lebensmittelgeschäfte und einen „Pjatjorotschka“-Supermarkt. Cafés gibt es nur sehr einfache vor Ort; man sollte sich darauf einstellen, selbst zu kochen.

Nutzen
Der Wechsel zwischen Theorie und Praxis in den Bergen hilft ungemein zu verstehen, wie alles in der Realität funktioniert. Das Verständnis für lawinengefährdete Hänge ist spürbar gewachsen, was eine bessere Routenplanung und deutlich sicherere Skitouren ermöglicht. Nachfolgend teile ich einige Notizen, die hilfreich sein können, um das Wissen aufzufrischen — sie ersetzen jedoch keinesfalls eine echte Ausbildung und dienen nicht als Handlungsanleitung. Überall gibt es Ausnahmen und wichtige Nuancen.

Erhöhung der Lawinengefahr
Verschlechterung der Lage bei:
- Neuschnee über 10 mm – bereits Grund zur Sorge vor steigender Lawinengefahr. 30 mm Neuschnee sind sehr gefährlich, da bereits ein Schneebrett von über 20 mm Dicke eine Gefahr darstellt.
- Windböen über 7 m/s – Schneeverfrachtungen genau beobachten. Böen von 8–14 m/s erzeugen starke Verwehungen im oberen Hangbereich auf der Leeseite, was extrem gefährlich ist. Böen von 12–18 m/s verfrachten den Schnee weiter hangabwärts, was geringfügig günstiger ist.
- Erwärmung über 0 °C und Sonnenschein. Eine dünne Wolkendecke wärmt den Schnee besonders intensiv auf.
- Nach einem Schneesturm (Schneefall mit Wind) ist mit hoher Wahrscheinlichkeit von Triebschneebrettern auszugehen. Gefährlich sind Leehänge, Dünen und Sastrugi. Eine Schneefahne in der Luft dient als verlässlicher Indikator für Triebschnee.
- Regenharsch + Neuschnee = Lawinengefahr.
- Eine Stabilisierung der Schneedecke stellt sich nach 3 Tagen gutem Wetter ein.

Gelände
- Die Hangneigung ist das Schlüsselelement bei der Lawinenvorhersage.
- Geländekanten sind Spannungslinien; es ist sicherer, sich entlang der Wölbungshöhen zu bewegen.
- Lichter Wald bietet keine Sicherheit und stabilisiert die Schneedecke nicht.
- Lichtungen sind definitionsgemäß lawinengefährdet.
- Der Rinnengrund ist sicherer als die Rinnenflanken.
- Ein Grat ist sicherer als Rinnengrund und Steilflanken. Auf Geländefallen achten.
- Hervorstehende Felsen wirken als Verankerung und stützen die Schneedecke. Steine knapp unter der Schneedecke hingegen begünstigen Lawinenabgänge.
- Grundsätzlich sind Nordhänge im Winter gefährlicher, da Schattenhänge kälter sind und sich Schwachschichten schneller ausbilden. In den Chibinen entfällt dieser Unterschied weitgehend durch den starken Einfluss der Polarnacht, da die Sonne kaum scheint.
- Im Frühjahr tauen Südhänge dagegen schneller auf. Dies gilt für die Nordhalbkugel; auf der Südhalbkugel verhält es sich umgekehrt.

Fortbewegung
- Kommunikation in der Gruppe: Beobachtungen zu Lawinenabgängen, Rissen und weiteren Anzeichen einer instabilen Schneedecke austauschen.
- Aufstieg vorzugsweise bis 25 Grad Hangneigung, seltener bis 30 Grad. Es ist ratsam, die Aufstiegsspur von oben nach unten (vom Ziel zum Ausgangspunkt) zu planen, um die logischste Linie zu finden.
- Entlastungsabstand am Hang mindestens 20 m einhalten, keine Stopps einlegen, alle Vorbereitungen vor dem Aufstieg abschließen.
- In gleichmäßigem Tempo ohne Lücken aufsteigen. Lawinengefährdete Hänge stets einzeln abfahren.

Bis 25 Grad – keine Gefahr.25–30 Grad – geringe Gefahr, nur bei sehr instabilen Verhältnissen.30–34 Grad – mäßige Gefahr, relativ seltene Schneebretter.34–45 Grad – maximale Lawinengefahr, Höhepunkt der Lawinenabgänge bei 39 Grad. Drei Viertel aller Schneebretter lösen sich in diesem Bereich.45–55 Grad – mäßige Gefahr.
Alarmsignale für instabilen Schnee:
- Entstehende Risse
- „Wumm“-Geräusche, Absacken der Schneedecke
- Hohler Klang unter den Füßen.

Lawinenausrüstung
LVS-Gerät, Mindestanforderungen: digitales 3-Antennen-Gerät. Die Bedienung muss regelmäßig trainiert werden. Vor jeder Tour einen LVS-Check durchführen. Das LVS-Gerät bei der Feinsuche parallel zur Schneeoberfläche führen. Jeder Teilnehmer muss über ein LVS-Gerät verfügen. Falls dies nicht möglich ist, kann ein Teil der Gruppe bei einer Skiwanderung den Notsender Pieps TX 600 verwenden. Dieser wurde ursprünglich für Lawinenhunde oder Materialdepots konzipiert, da er ausschließlich ein Signal auf einer Sonderfrequenz ausstrahlt. Das Einsatzprinzip: In einer Gruppe von 6 Personen führen 2–3 vollwertige LVS-Geräte von Pieps mit und 3–4 den Sender Pieps TX 600. So bleibt der Sicherheitsstandard bei Lawinenabgängen gewahrt, da die Suche in der Regel von einem Helfer koordiniert wird, während sich gleichzeitig die Ausrüstungskosten spürbar reduzieren. Der Sender ist 4- bis 5-mal günstiger als ein reguläres LVS-Gerät.

Lawinensonde 2,6–3 Meter, aus Aluminium. Mit einfacher Arretierung, ganz ohne Knoten an der Spannschnur.Lawinenschaufel aus Aluminium, teleskopierbar, mit ergonomischem Griff für Fäustlinge oder Handschuhe.Im russischen Bergsport ist zudem die Verwendung eines Lawinenbands aus leuchtendem, synthetischem Satinmaterial verbreitet, das keine Feuchtigkeit aufnimmt. Die Länge beträgt meist 15 Meter, mit Markierungen an jedem Meter, Unterteilungen alle 25 cm und einem Richtungspfeil zur Person. Ein solches Band wird selbst hergestellt. Es ist eine kostengünstige und effektive Methode. Laut westlichen Statistiken liegt die Wahrscheinlichkeit, eine verschüttete Person damit zu orten und zu retten, bei etwa 40 %.Todesursachen bei Lawinenverschüttung:74 % — Asphyxie (Ersticken)25 % — Traumata (mechanische Verletzungen)1 % — Hypothermie (Unterkühlung)Die Überlebenswahrscheinlichkeit liegt bei 80 %, wenn die Rettung innerhalb von 10 Minuten erfolgt – danach sinken die Chancen drastisch. Zeit ist der entscheidende Faktor, daher trainieren wir eine Bergung in 5–7 Minuten.

Routenwahl
Wie lässt sich beurteilen, ob ein Passhang sicher ist? Dies wird in erster Linie bereits bei der Routenplanung analysiert. Pässe mit einer Neigung von bis zu 30% gelten als weitgehend sicher. Besonderes Augenmerk gilt den Flanken, Wechtenbildungen und dem Risiko von Spontanlawinen.Der Aufstieg zum Pass sollte äußerst konservativ gewählt werden, da er viel Zeit beansprucht und sich dadurch die Risiken deutlich erhöhen. Beträgt die Hangneigung mehr als 30%, ist ein Schneeprofil anzulegen.

Schneeprofil
Ein Schneeprofil (Schurf) ist eine Grabung im Schnee zur Untersuchung der Schneeschichtung und Identifikation potenzieller Lawinenschwachschichten.Die Standortwahl ist essenziell: Das Profil ist nur für die entsprechende Hangexposition sowie für 400 Höhenmeter im Umkreis von maximal 5 km aussagekräftig.Die Analyse muss an einem sicheren Ort erfolgen: nicht im Anrissgebiet, nicht unterhalb von Wechten, nicht über Geländefallen und niemals oberhalb anderer Personen. In der Gruppe empfiehlt sich ein Sicherheitsposten. Gewählt wird eine repräsentative Stelle zur Lawinenbeurteilung.

Beim Ausheben des Schneeprofils quer zum Hang wird der Schnee nach hinten geworfen, um eine freie Arbeitsfläche ohne Rückwand zu schaffen. Maße: 90 x 30 cm, glatte Wände. Stets mit Handschuhen arbeiten und den Eindringwiderstand an der beschatteten Seitenwand prüfen. Relevante Schichten erfassen und Ergebnisse dokumentieren.Ein Profil sollte auch bei Wetterumschwüngen angelegt werden, da sich der Schneedeckenaufbau alle 5–7 Tage grundlegend verändern kann.Entsprechend Zeit einplanen, abseits der Aufstiegsspur graben und Wetterverlauf, Ist-Zustand sowie Prognose einbeziehen. Zu zweit arbeiten und das Mikrorelief berücksichtigen. Nach der Analyse das Loch wieder vollständig zuschütten.

Schnelltests
Oft gibt es keine Zeit und Möglichkeit, ein vollständiges Schneeprofil zu graben. Daher gibt es Schnelltests, mit denen sich in kürzester Zeit vorläufige Rückschlüsse auf die Lawinensituation ziehen lassen.
- Skistocktest: Bestimmung der Menge an weichem Schnee und seiner Festigkeit; sackt der Stock durch, liegt darunter eine Schwimmschneeschicht.
- Skitourentest: Beim Aufstieg im Zickzack wird der Schnee in den Spitzkehren mit dem eigenen Körpergewicht belastet.
- Hand-Shear-Test – ein einfacher Test zur Beurteilung der Scherfestigkeit der Schneedecke, der in wenigen Minuten mit einem Skistock durchgeführt wird.

Wächten
Bilden sich nach Schneestürmen.Von oben nicht zu nah herantreten, Absturzgefahr mit der Wächte.Brechen am ersten sonnigen Tag nach dem Schneesturm ab.Beim Absturz können sie eine Lawine auslösen.In seltenen Situationen kann eine Wächte mit Selbstsicherung abgesägt werden.

Fazit
Das Training lohnt sich wirklich sehr, es gibt enorm viele Informationen. Alles ist strukturiert und verständlich. Jetzt verstehe ich den Schnee besser und er mich) Ich halte diesen Kurs für alle Skitourengeher und Bergsteiger, die in lawinengefährdeten Gebieten unterwegs sind, für obligatorisch. Für Skitour und Freeride versteht sich das ohnehin von selbst.Passen Sie auf sich auf und machen Sie Wintertouren, es ist einfach genial!



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