Testbericht des Zeltes Nova Tour Ai-Petri 2 v2
Das Zelt wird nicht mehr hergestellt.
Dieser Testbericht ist jedoch im Hinblick auf ähnliche und nach wie vor relevante Modelle wie Normal Zero 2, Snaryazhenie Vega 2 und Bask SharkFinFlap 2 von Interesse.
Ich habe das Zelt Nova Tour Ai-Petri 2 v2 vier Jahre lang genutzt – bei insgesamt über 200 Übernachtungen unter verschiedensten Bedingungen: von der Tundra über den Kaukasus auf 3.500 m Höhe bis hin zu Stränden in der Türkei.
Das Zelt besticht vor allem durch seine Gestängekonstruktion mit doppelter Kreuzung, umgangssprachlich als »Fisch«-Konstruktion bekannt. Auf den ersten Blick wirkt dies extrem windstabil, doch in der Praxis gibt es ein großes ABER, auf das ich weiter unten eingehe.
Technische Daten

Windstabilität
Das Gestänge mit doppelter Kreuzung bildet zusammen mit der Querstange 4 Schnittpunkte, was der Konstruktion eine hohe Festigkeit verleiht. Die Zelthöhe beträgt nur 95 cm, was niedriger ist als bei vielen Vergleichsmodellen. Die Schneeschürze (Windfang) sorgt in Kombination mit dem korrekten Ausrichten im Wind für eine solide Stabilität. In der Praxis führt jedoch die extrem hohe Spannung des Gestänges aufgrund der doppelten Überkreuzung zu einer Belastung, durch die sich die Stangen häufig verbiegen oder brechen. Dieses Problem ließe sich mit hochwertigem Gestänge von Yanan oder DAC lösen, doch russische Hersteller verzichten meist auf solchen Luxus. Im Ergebnis wirkt das Zelt windstabil – und ich habe damit Stürme bis zu 20 m/s erlebt –, Gestängeprobleme sind jedoch vorprogrammiert.

Einsatzbereich des Nova Tour Zeltes
Das Innenzelt besteht komplett aus Stoff, beide Eingänge sind zusätzlich mit Moskitonetz versehen – eine ideale Kombination für ein Vierjahreszeitenzelt. Im Sommer ist es nicht zu heiß, im Winter nicht zu kalt. Die Querstange vergrößert lediglich das Volumen der Apsiden und nicht des Innenzelts, was den Wohnkomfort im Inneren einschränkt; im Winter reicht der Platz praktisch nur für eine Person.
Ich habe bei +25 °C Hitze an der georgischen Küste und auf dem Lykischen Weg in der Türkei geschlafen: Da sich die Schürzen hochbinden lassen und die Türen Mesh-Einsätze haben, entsteht eine für hohen Komfort ausreichende Belüftung.

Im Gegensatz zum konstruktionsähnlichen MSR Elixir spannt die Apsidenstange beim Ai-Petri das Innenzelt nicht zusätzlich auf. Daher ist der Innenraum eher für ein zierliches Paar komfortabel. Ich war oft solo unterwegs – dafür bietet es maximalen Komfort. Die gesamte Ausrüstung bleibt drinnen, in einer Apsis wird gekocht und eingetreten, die zweite bleibt ungenutzt. Für Alleinreisende bevorzuge ich daher eher Modelle wie das Normal Zero 2 oder Snaryazhenie Vega mit nur einem Eingang.

Gewicht
Das Gewicht ist typisch für ein 2-Personen-Zelt mit preiswerten Polyesterstoffen und PU-Beschichtung (7.000 mm Außenzelt, 10.000 mm Boden).
Die Vorteile der Windschürze: hohe Windstabilität, die Wärme wird am windigen Pass nicht herausgeblasen, die Ausrüstung in der Apsis bleibt trocken und geschützt, und bei Bedarf lässt sich die Schürze hochrollen.

Gestängekanäle
Das Gestänge wird in durchgehende Stoffkanäle eingeführt. Das sorgt für eine hohe Gesamtstabilität des Zeltes, die Last verteilt sich gleichmäßig, und im Falle eines Gestängebruchs (was mehrfach vorkam) durchstößt die Stange nicht das Außenzelt, sondern bleibt im geschlossenen Kanal geschützt liegen.

Heringe
Im Lieferumfang sind runde Aluminiumheringe enthalten. Sie erfüllen ihren Zweck, und ich habe viele Touren mit ihnen absolviert, aber im Vergleich zu V- oder Y-Profil-Heringen sind sie schlichtweg unpraktisch. Sie verbiegen sich, drehen sich im Boden und sind schwer. Ich habe sie durch leichtere und funktionellere Heringe ersetzt. Zusätzlich habe ich an allen Abspannpunkten 2-mm-Reepschnüre befestigt, da es in den meisten meiner Einsatzregionen genügend Steine gibt, um ganz auf Heringe zu verzichten: auf der Halbinsel Kola, im Kaukasus, auf dem Lykischen Weg und im Trans-Ili-Alatau.

Verarbeitung und Qualität
Für den Preis hervorragend: Die Nähte sind gerade und sauber verarbeitet. Nach dem Kauf standen wie bei fast allen Modellen ein paar Fäden ab – diese habe ich abgeschnitten, danach sah alles top aus. In 4 Jahren gab es keinerlei Beanstandungen.
Durchdachte Details
Die Freude an der Ausrüstung liegt im Detail. Daran, dass ein Zelt stabil steht und absolut dicht ist, gewöhnt man sich schnell – das wird als selbstverständlich vorausgesetzt.
- Nachleuchtende Reißverschluss-Zipper laden sich selbst dann noch mit Sonnenlicht auf, wenn man das Lager erst bei Sonnenuntergang aufschlägt. Nachts lässt sich der Eingang leicht finden, um ihn zur Belüftung zu öffnen oder ohne Stirnlampe hinauszugehen.
- Die Lüfter am Außenzelt sind mit Moskitonetz versehen. Zusammen mit der geschlossenen Windschürze hält dies Mücken und Kriebelmücken spürbar aus der Apsis fern. Bei starkem Wind werden Schnee und Sand zuverlässig abgehalten. Zudem lässt sich das Fenster bei Schlechtwetter elegant von innen schließen, da das Netz überlappend konstruiert ist.
- Zahlreiche Innentaschen: ideal, um Elektronik und Kleinkram zu organisieren.
- Abspannpunkte am Innenzelt beim Eingang: eine scheinbar simple Lösung, die man dennoch selten findet. Ich habe Reepschnüre daran befestigt und fixiere sie an Steinen oder Heringen – so entsteht spürbar mehr Raumvolumen. Die Breite ist mit 130 cm großzügig bemessen, doch durch die schrägen Zeltwände entstehen Ecken, in denen ich Ausrüstung verstaue.
- Der mitgelieferte wasserdichte Packsack ist extrem praktisch: Ein nasses Zelt lässt sich direkt im Rucksack verstauen, ohne dass andere Sachen feucht werden. Das Zelt lässt sich kompakt packen und benötigt minimalen Platz.

Trampen (Per Anhalter)
Nach über 3.000 km per Anhalter durch Russland, Georgien und die Türkei lautet mein Fazit: Fürs reine Trampen ist dieses Zelt nicht gedacht :))
Der einzige Nachteil dabei ist die auffällige Farbe, die zu viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Da Trampen für mich jedoch nur ein authentischer Weg zum Ausgangspunkt der Tour war, muss das Zelt in erster Linie Expeditionsanforderungen erfüllen – und eine leuchtende Signalfarbe gehört definitiv dazu.

Nachteile
Vier Mal ist mir ein Gestängesegment gebrochen. Das erste Mal stützte ich mich von innen auf den Rucksack und drückte gegen den Eingang. Es war nachts und regnete, also wartete ich bis zum Morgen, um das Segment durch ein Ersatzteil zu tauschen. Beim zweiten Mal geriet beim Aufbau wohl Schmutz in die Steckverbindung, und die Hebelwirkung bog das Segment auf. Und beim dritten Mal – keine Ahnung, wie es passierte, es brach einfach durch :))
Leider ist hier, wie bei vielen russischen Zelten, No-Name-Aluminium (8,5 mm) verbaut. Daher führe ich stets eine Reparaturschiene und ein Ersatzsegment mit. Es empfiehlt sich, das Gummiband im Gestänge straffer zu spannen, damit die Segmente sauberer ineinanderrutschen – andernfalls kann das Gestänge bei unvollständiger Steckung am Übergang einreißen.

Finden Sie den Fuchs auf dem zweiten Foto? :))
Vor kurzem zeigten sich vereinzelte Tropfen im Bereich des Querstangenanschlags in der Apsis (nach 4 Jahren und rund 200 Übernachtungen). Offenbar drückte Feuchtigkeit durch die beanspruchten Nähte; nach einer Imprägnierung trat das Problem nicht mehr auf.
Bei einer gründlichen Inspektion des Nova Tour Ai-Petri entdeckte ich etwa 40 winzige Löcher im Zeltboden – meist 1–2 mm groß, manche nur im Gegenlicht erkennbar. In der Praxis störten sie überhaupt nicht, selbst bei Regen blieb der Boden innen stets trocken. Durch Steine, Äste und rauen Untergrund nutzt sich jeder Boden ab – weshalb hier robuste Materialien mit hoher Wassersäule verbaut sind. Am Material selbst gibt es nichts auszusetzen; ich habe die Stellen mit wasserfesten Flicken versiegelt. Um die Lebensdauer zu verlängern, nutze ich nun eine wiederverwendbare Rettungsdecke als Footprint (Zeltunterlage): Auf Zeltbodenmaße zugeschnitten, lege ich sie mit der reflektierenden Seite nach oben unter das Zelt. Nach 30 Nächten ist sie noch intakt, schützt hervorragend, kostete bei Decathlon nur etwa 400 RUB, wiegt 150 g bei 38 µm Stärke. Im Notfall lässt sie sich zudem klassisch zum Wärmen oder für SOS-Lichtsignale nutzen :))

Den Zeltboden habe ich von innen mit Alkohol entfettet, mit wasserdichten Flicken versiegelt und zusätzlich mit Panzertape verstärkt, um die Flicken vor Abrieb zu schützen.
Verbesserungspotenzial
- Zwei-Wege-Reißverschlüsse an der Apsis einsetzen, um oben einen Spalt zur Belüftung öffnen oder einfach herausschauen zu können.
- Zusätzliche Sturmabspannungen an der Apsis und der Querstange anbringen. Das Ai-Petri steht zwar stabil, doch bei starkem Wind flattert die große Stoffbahn der Apsis stark – mein eigener Behelfsversuch war eher suboptimal.
- Gestänge durch hochwertiges Yanan-Gestänge ersetzen.
Fazit
Für damalige Verhältnisse ein gutes, vielseitiges, durchdachtes und windstabiles Zelt. In seinem Preissegment gehörte es zu den besten Optionen – insbesondere im Vergleich zu weniger windstabilen Modellen von Naturehike.


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