Das Unna gehört zur Red-Label-Serie. Das bedeutet, dass das Zelt für den Vier-Jahreszeiten-Einsatz unter härtesten Bedingungen konzipiert wurde – von winterlichen Tundrengebieten bis hin zu Bergbesteigungen auf 7.000 m, mit Einschränkungen allenfalls für den Nord- und Südpol, die stürmischen Gletscher Patagoniens und die höchsten Achttausender.
Das Unna besetzt eine fast leere Nische für extrem komfortable, robuste 4-Jahreszeiten-Solozelte, die sich an jede Anforderung anpassen – von extremer Hitze bis zu klirrendem Frost, von Trekkingtouren bis hin zu Ski- und Hochtouren. Ein konstruktionsähnliches, aber deutlich weniger robustes Zelt gibt es von Helsport – das Trolltind Superlight 2.
Technische Daten
Außenzelt-Material: Kerlon 1200, 30D, hochfestes Ripstop-Nylon 66, Gewicht 49 g/m².
Weiterreißfestigkeit des Außenzelts: 12 kg, Norm (ISO 13937-4).
Beschichtung des Außenzelts: Si/Si, die Fäden selbst sowie das Außenzelt sind von oben und unten silikonisiert. Während der Färbung UV-beständig behandelt. Die Nähte sind nicht versiegelt, da es sich um Silikon handelt, sondern vierfach gefaltet und mit einer synthetischen Baumwollmischung vernäht, was vollständigen Schutz vor Nässe bietet und die Lebensdauer im Vergleich zu getapten Nähten deutlich erhöht.
Wassersäule des Außenzelts: 5.000 mm / 49 kPa, Norm (ISO 811).
Bodenmaterial: 70D Nylon, 3-fache PU-Beschichtung, Gewicht 90 g/m², stich- und abriebfest.
Wassersäule des Bodens: 15.000 mm / 147 kPa (ISO 811).
Innenzelt-Material: 30D Ripstop-Nylon, DWR-behandelt, 35 g/m².
Gestänge: DAC Featherlite NSL 9 mm, 2 Stangen à 387 cm.
Gewicht: Bruttogewicht – 2,3 kg; Nettogewicht – 2 kg; Außenzelt – 1.015 g; Innenzelt – 700 g; Gestänge – 470 g; Heringe – 160 g.

Komfort
Ein super geräumiges 1-Personen-Zelt: 100 cm Innenhöhe, 110 cm Breite, 230 cm Länge – das ist selten und eignet sich hervorragend für große Personen. Rucksack und Ausrüstung finden im Zelt Platz; dieses Konzept schätze ich sehr im Vergleich zu 2-Personen-Zelten auf Solo-Touren. Das große Innenraumvolumen sorgt im Winter für weniger Kondenswasser und minimiert das Risiko, an die mit Reif bedeckten Zeltwände zu stoßen, und bietet zudem maximalen Komfort bei langen Sommertouren.

Apsis
Es gibt hier keine Apsis. Das mag seltsam erscheinen, und anfangs hatte ich Bedenken, aber letztendlich erwies sich die Konstruktion als absolut einleuchtend und logisch. Ich nutze eine Apsis etwa 40 Minuten abends und 40 Minuten morgens zum Kochen – die restliche Zeit verbringe ich im Zelt, durchschnittlich 8–11 Stunden. Die Nutzung der Apsis macht nur etwa 10 % der gesamten Verweildauer im Zelt aus. Dabei benötigt eine Apsis zusätzlichen Platz zum Aufstellen, Abspannen und bringt zusätzliches Stoffgewicht mit sich. Für die Ausrüstung bietet das Unna genügend Innenraum, sodass alles trocken und griffbereit bleibt. Schuhe und Kochgeschirr passen in den ca. 15 cm breiten Zwischenraum zwischen Außenzelt und Innenzelt. Zudem besteht die Möglichkeit, die Seitenwände abzuspannen und diesen Vorraum auf ca. 40 cm zu erweitern, was auch die Belüftung (den Abstand zwischen Außenzelt und Boden) verbessert. Zum Kochen bei Regen habe ich das Innenzelt am Eingang einfach ausgehängt, um Platz für den Kocher zu schaffen, und die Ecke des Eingangs zur Belüftung offen gelassen.

Belüftung
Im oberen Bereich der Tür und unter der Hutze befindet sich hochgradig atmungsaktives Gewebe. Am Innenzelt gibt es ein mit Stoff hinterlegtes Moskitonetz-Fenster. Meiner Ansicht nach ist das für die meisten Bedingungen mehr als ausreichend. Bei meiner Tour durch die Tundra der Halbinsel Kola im August lagen die Nachttemperaturen zwischen +15 °C und 0 °C, meist bei Regen und Wind. Trotz der früh aufgehenden Sonne ließ sich die Belüftung und Temperatur stets optimal anpassen. Zudem lässt sich der Reißverschluss des Eingangs von oben für eine noch bessere Belüftung öffnen, wobei er durch die Hutze vor Regen geschützt bleibt.


Einfache Konstruktion und schneller Aufbau
Schönheit liegt in der Einfachheit. Zwei gleich lange Stangen werden über Kreuz von einer Seite in die durchgehenden Gestängekanäle eingeführt und stoßen am anderen Ende in geschlossene Gestängetaschen. Daher lässt es sich problemlos alleine aufbauen. Noch einfacher im Aufbau ist allenfalls ein Tunnelzelt wie das Akto oder Enan, das jedoch nicht freistehend ist – mit allen entsprechenden Konsequenzen. Die Stangen verlaufen im Außenzelt, was den Aufbau bei Regen und Unwetter erheblich erleichtert und beschleunigt, da das Innenzelt bereits eingehängt bleibt.

Robustheit
Hilleberg vermittelt ein unvergleichliches Gefühl von Sicherheitsreserven. In der Wildnis ist das Zelt die einzige Zuflucht, weshalb ich sie genau dafür so schätze. Erstklassiges Gestänge in Außengestängekanälen, ein hochfestes, beidseitig silikonisiertes Außenzelt, doppelte Abspannpunkte sowie die Fertigung und Qualitätskontrolle durch eine einzige Person in Estland – inklusive Namensetikett des Zeltbauers – garantieren maximale Sicherheit und weltweites Spitzenniveau. Wer Erfahrungen mit Zelten verschiedener Marken hat, erkennt bei Hilleberg eine völlig neue Dimension der Zuverlässigkeit.

Bis zum Boden reichendes Außenzelt
Skandinavische Hersteller lassen das Außenzelt oft bis ganz zum Boden reichen. Das ist eine absolut durchdachte Lösung, denn sie entwickeln Ausrüstung für ihre eigenen Bedingungen und wissen genau, was raues Wetter bedeutet. Meiner Meinung nach ist das auch für raue nordische Klimazonen ideal. Da das Außenzelt bodenbündig abschließt, zieht kein Wind hinein, und man muss weder Schneemauern bauen noch sich mühsam eingraben.

Außenzelt
Das Außenzelt der Hilleberg-Zelte unterscheidet sich grundlegend von den meisten amerikanischen, russischen und südeuropäischen Herstellern. Eine 3-fache Silikonbeschichtung sorgt bei der Red-Label-Serie für eine herausragende Weiterreißfestigkeit von 12 kg. Das bedeutet: Sollte der Stoff durch ein Steigeisen, Schuhe oder einen herabfallenden Ast beschädigt werden, hält das Gewebe enormen Belastungen stand und reißt bei Wind nicht weiter ein. Diese Eigenschaften resultieren vor allem aus der elastischen Si/Si-Beschichtung sowie dem Kerlon-Material und der Fadenstärke. Ein solches Außenzelt besitzt eine extrem lange Lebensdauer und hält bei sachgemäßer Nutzung, Lagerung und Pflege 20 bis 30 Jahre. Der Preis der Zelte begründet sich maßgeblich in dieser Beschichtung. Würde man sie durch einfaches PU ersetzen, würde der Preis um etwa die Hälfte sinken, die Reißfestigkeit jedoch um das Sechsfache und die Lebensdauer um das Dreifache.

Mehr über Stoffe und Beschichtungen erfahren Sie im Artikel „So wählen Sie das richtige Zelt“:
Abspannleinen
Die hohe Windstabilität verdankt das Zelt der durchdachten Konstruktion, der Länge und Stärke des Gestänges sowie der Festigkeit des Außenzelts. Der für Nutzer augenscheinlichste Faktor sind jedoch die Abspannleinen. Hier kommt eine doppelte Befestigung zum Einsatz, die direkt an den Gestängekanälen ansetzt und so für maximale Stabilität sorgt. Die Abspannpunkte sind relativ tief angebracht und verankern das Gestänge wie ein solides Fundament.

Ästhetik
Das Zelt ist wunderschön. Es ermöglicht, die Tür über die gesamte Wand zu öffnen und den Blick in die Natur zu genießen.

Gewicht
Das Gewicht des Zeltes mag hoch erscheinen, doch wenn Sie ein extrem komfortables und absolut zuverlässiges Solozelt suchen, das sich für Sommertouren an der Küste ebenso eignet wie für winterliche Skitouren oder Bergbesteigungen – mit enormen Sicherheitsreserven, ohne Kompromisse und mit einer außergewöhnlich langen Lebensdauer –, dann ist das Gewicht absolut gerechtfertigt. Ich betrachte das Unna als ein Zelt für alle Bedingungen, das über Jahrzehnte hinweg die nötige Sicherheit für Solo-Touren bietet. Steht das Gewicht über dem Komfort, lohnt sich ein Blick auf das Akto, das bei gleichen Materialien nur 1,7 kg wiegt. Ich persönlich bin derzeit jedoch nicht bereit, das Akto auf Wintertouren einzusetzen, da das geringere Innenraumvolumen zu mehr Kontakt mit den Zeltwänden führt.

Dieses Zelt ist etwa 7 Jahre alt und hat zahlreiche Expeditionen hinter sich. Ich war damit 12 Tage in der Tundra der Halbinsel Kola im Bereich der Barentssee unterwegs, um zu testen, wie es sich unter verschiedenen Bedingungen verhält. Genauere Details können Sie sich im Video von Sergej unten ansehen:


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