Einleitung

Bei der Vorbereitung auf die 600 km lange Transkaukasische Route im Ultraleicht-Stil überdachte ich meine Ausrüstung, die eher auf nördliche Regionen ausgelegt war. Zufällig kam damals einer der leichtesten Schlafsäcke auf den Markt – der Splav Graviton Light. Ein echter Paukenschlag: ein Ultraleicht-Schlafsack von Splav – unerwartet, aber hoffentlich ein neuer Trend.

Ich habe den Schlafsack unter sehr unterschiedlichen Bedingungen getestet und in zwei Jahren 130 Nächte darin verbracht, bei Nachttemperaturen von -4 bis +27 °C.

18 Nächte in Arkhyz, Kaukasus. Mai.

60 Nächte auf der Halbinsel Kola

28 Nächte in Armenien, Transcaucasian Trail (TCT). Juli.

24 Nächte auf der Halbinsel Kola im Juni, Juli, August und September.

Ich nutze den Schlafsack nach wie vor regelmäßig.

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Technische Daten

Komfort +10,2 °C

Komfortlimit +6 °C

Extrem -6,7 °C

Der Schlafsack ist nach EN23537 geprüft.

Außen- und Innenmaterial: Nylon 10D, 26 g/m², Ripstop, DWR

Hochwertige weiße Gänsedaune: FP 850, hydrophobe Daunenbehandlung.

Gewicht: 505 g in Größe Reg.

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Daunenkammern

Eine Besonderheit ist die Kombination aus vertikalen Kammern auf der Brust und horizontalen im Bein- und Rückenbereich. Die vertikalen Brustkammern reichen bis zur Oberschenkelmitte und besitzen Stegnähte (warme Nähte), während die horizontalen Kammern an Beinen und Rücken durchgesteppt sind. Die Verwendung durchgesteppter Nähte reduziert Gewicht und Herstellungskosten. Ich wollte ohnehin schon lange prüfen, wie sich durchgesteppte Nähte unter verschiedenen Bedingungen schlagen.

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Die Füllung ist differenziert, das heißt am Rücken befindet sich weniger Isolationsmaterial und alle Nähte sind durchgesteppt. In Kombination mit einer Isomatte habe ich jedoch nie Kälte oder Unbehagen verspürt.

Getestet wurde der Schlafsack mit folgenden Matten: Big Agnes Air Core Ultra 1.3, Splav HiLight 2.3, Therm-a-Rest XTherm 6.9 R-Wert, Therm-a-Rest XLite 4.2.

Für noch mehr Komfort könnte man Befestigungsschlaufen für die Matte ergänzen, ähnlich wie beim Therm-a-Rest Hyperion. So könnte man sich bequem im Schlafsack drehen, ohne dass der Rücken freigelegt wird.

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Die vertikalen Kammern mit Stegnähten haben sich hervorragend bewährt. Das ist eine aufwendigere Konstruktion als einfache Querkammern und findet sich typischerweise bei Spitzenmodellen internationaler Marken wie dem Sea to Summit Spark Ultralight, Mountain Equipment Iceline oder Rab Expedition.

Die horizontalen, durchgesteppten Nähte von der Oberschenkelmitte bis zu den Füßen waren in den meisten Nächten völlig unproblematisch. In Nächten über +15 °C war das Schlafklima sogar angenehmer als in Modellen mit durchgehenden Stegnähten, da es nicht zu warm wurde.

Die Mainächte im Kaukasus auf 2.500 m Höhe bei starker Nässe und Klammheit stellten das Setup jedoch auf die Probe. Bei Innentemperaturen im Zelt von 0 bis +5 °C und mitteldicker Funktionsunterwäsche spürte ich Kälte an den Oberschenkeln, die mich aufweckte. Gelöst habe ich das durch eine isolierende Kunstfaser-Überhose sowie eine Hardshell-Jacke, die ich über den Fußbereich des Schlafsacks zog.

Man muss bedenken, dass Anfang Mai im Kaukasus, wenn nur wenige hundert Meter weiter oben Schnee fällt, keine idealen Bedingungen für diesen Schlafsack herrschen. Hinzu kam, dass ich allein im Big Agnes Copper Spur 2 mit reinem Mesh-Innenzelt schlief und das Lager nur 50 m von einem reißenden Bergfluss entfernt lag. Ich hatte diese Ausrüstung bewusst gewählt, um die Grenzen auszuloten. Später folgten Übernachtungen auf einem 3.000 m hohen Pass im Schnee: Dort zog ich in ein 3-Personen-Zelt um, und es wurde auf Schlag deutlich wärmer – selbst ohne zusätzliche Lixada-Kunstfaserdecke. Ich musste den Schlafsack sogar öffnen. Die Personenanzahl im Zelt spielt eben eine enorme Rolle.

Bei vergleichbaren Temperaturen im Hilleberg Enan auf der Halbinsel Kola sowie im BA Copper Spur in Armenien gab es keinerlei Kälteprobleme.

Fazit: Durchgesteppte Nähte funktionieren hervorragend bei Schlafsäcken, die für Temperaturen von nicht unter 0 °C konzipiert sind. Am Rücken haben durchgesteppte Nähte in Verbindung mit einer gut isolierenden Isomatte keinerlei Nachteile. Wichtig bleibt, sich nachts im Schlafsack zu drehen und nicht mitsamt dem Schlafsack. Der höhere Wärmeverlust durchgesteppter Nähte im Vergleich zu Stegnähten lässt sich bei Bedarf unkompliziert durch ein geeignetes Zelt und eine darübergelegte Hardshell-Jacke kompensieren.

Daune

Befüllt mit Gänsedaune 850 cuin (FP). Das ist ein Spitzenwert und der Benchmark für Ultraleicht-Schlafsäcke dieser Liga. Daune von Tieren aus kalten, rauen Regionen liefert die besten Isolationswerte. Aktuell gibt es drei führende Produzenten weltweit: Russland, Kanada und Polen. Russische Daune findet in zahlreichen internationalen Premiummarken Verwendung – so auch im Splav Graviton Light.

Die Rückverfolgbarkeit und Qualitätskontrolle der Rohstoffe ist heute transparent organisiert. Aufbereitung und Reinigung erfolgen auf modernsten europäischen Maschinen, wodurch die Qualität exakt den führenden Weltstandards entspricht.

Aktuell kommt beim Graviton Light die hydrophobe Ausrüstung Nacar aus Deutschland zum Einsatz (vergleichbar mit Nikwax). Die Daune erhält eine wasserabweisende, antibakterielle Beschichtung, verklebt nicht und verteilt sich optimal in den Kammern.

In meinem Exemplar aus der ersten Serie war die Daune noch unbehandelt. Selbst auf langen Touren über 14 und 28 Nächte verlor der Schlafsack nie seine Bauschkraft und wurde nicht klamm. Richtiger Umgang ist alles. Inzwischen wird das Modell serienmäßig nur noch mit hydrophober Daune gefertigt, was auch unter schwierigen Bedingungen absolute Verlässlichkeit bietet. Ein starkes Argument für alle, die Daunenschlafsäcke bislang gescheut haben...

Gewebe

10 Denier auf Außen- und Innenseite. Das ist ein ausgesprochen feines und leichtes Gewebe. Noch geringere Stärken findet man fast nur in extrem kostspieligen Highend-Modellen wie dem Rab Mythic Ultra 360 oder Sea to Summit Spark Ultralight (7 Denier). Hochwertiges 7D-Material ist jedoch kaum verfügbar, weshalb 10D den perfekten Mittelweg darstellt.

Hinsichtlich der Reißfestigkeit sind eventuelle Zweifel unbegründet: Nach ausgiebigen Erfahrungen mit 7D, 10D und 15D gibt es im praxisnahen Einsatz für Gewichtsbewusste keine nennenswerten Einschränkungen.

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Reißverschluss

Verbaut ist ein fast durchgehender Reißverschluss der Größe Nr. 5. Ursprünglich fragte ich mich, ob ein 2/4- oder 2/3-Reißverschluss der Größe Nr. 3 für einen Ultraleicht-Schlafsack nicht sinnvoller gewesen wäre. Nach Rücksprache mit der Entwicklungsabteilung leuchtet die Wahl ein:

1. Ein kürzerer Reißverschluss bringt nur minimale Gewichtsvorteile, beschneidet jedoch die Vielseitigkeit stark – in warmen Nächten lässt sich der Schlafsack nicht mehr als Decke nutzen.

2. Der Schritt von Nr. 5 auf Nr. 3 spart lediglich rund 15 g ein, halbiert aber Stabilität und Lebensdauer. Reißverschlüsse der Größe Nr. 4 wiederum sind am Markt absolute Exoten und für die Serienproduktion kaum stabil beschaffbar.

Kapuze

Der Schnürzug der Kapuze besteht aus einer elastischen Kordel und einem Gurtband. Dadurch lässt sich im Dunkeln ertasten, welcher Teil der Kapuze enger gestellt werden muss – das ist praktisch und wird auch von Mountain Equipment so gelöst.

Bei mir riss die Kordel in der vierten Nacht ab, als ich sie im Schlaf vor Kälte fester ziehen wollte. Ich weiß, dass so etwas trotz Qualitätskontrolle bei einigen Chargen vorkommen kann. Ich habe sie wieder angenäht, jetzt hält sie zuverlässig.

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Größe

Der Schlafsack ist in zwei Längen erhältlich: 190 cm eignet sich für eine Körpergröße bis zu 165 cm; die 205-cm-Version passt für eine Körpergröße bis zu 180 cm – genau mein Modell. Dabei bietet er eine Schulterbreite von beachtlichen 80 cm – das ist sehr großzügig für einen Schlafsack dieser Klasse und einem Gewicht von nur 505 g.

Fazit

Der Graviton Light ist ideal für alle, die ihr Rucksackgewicht minimieren möchten. Es gibt nur sehr wenige vergleichbare Modelle bei diesem Verhältnis von Gewicht und Temperatur.

Das Modell ist wirklich gelungen. Es gibt kaum Konkurrenz, und im Vergleich zu Alternativen bietet er mehr Vorteile. Mit solchen Ergebnissen hoffe ich, dass unsere Hersteller im Lichte der jüngsten Entwicklungen den Trend nutzen, sich etablieren und in puncto Qualität und Technologie mit globalen Marken konkurrieren können. Und unsere Aufgabe ist es, in die Tundra und die Berge zu ziehen und es einfach zu genießen.

Video-Review