Teil 1
Einführung
Ich habe schon oft gesehen, wie Wanderer mit einem völlig falsch eingestellten Rucksack unterwegs sind und sich quälen. Nach einer kurzen Hilfestellung blicken sie mich oft an, als hätte ich Wasser in Wein verwandelt, und staunen, wie leicht es plötzlich geht.
Damit Sie das Gewicht auf dem Rücken kaum spüren und die Natur auf Ihrer Tour voll genießen können, beachten Sie diese Regeln zur Auswahl und Einstellung eines Rucksacks. Ich habe zahlreiche Rucksäcke getestet, Ausrüstung für Gruppen zusammengestellt und jahrelang im Outdoor-Fachhandel gearbeitet, wo ich täglich Rucksäcke angepasst habe – ich weiß also genau, worauf es ankommt.

Ziele und Anforderungen bestimmen
Bevor Sie einen Rucksack auswählen, sollten Sie Folgendes klären:
- Für welche Einsatzzwecke? Tagestouren, 5 Tage oder 2 Wochen, Hochtouren, Taiga-Expeditionen, markierte Pfade oder alles zusammen? Für jeden Einsatzzweck gibt es den idealen Rucksack. Um das richtige Modell zu finden, schreiben Sie mir, lesen Sie Fachberichte oder lassen Sie sich beraten.
- Wie groß ist das Volumen der Ausrüstung? Als Richtwerte gelten meist: 1 Tag – 20–40 l, 2–7 Tage – 70 l, 7–14 Tage – 100 l. Für eine Wintertour von 7–14 Tagen – 120 Liter.
- Wie viele Tage wollen Sie autonom unterwegs sein? Davon hängen Volumen und maximale Zuladung ab. Bei 15 kg Gesamtgewicht reicht ein Modell mit einer Traglast bis 20 kg. Bei 25 kg sind bereits robuste Schwerlast- bzw. Expeditionsrucksäcke nötig. Diese Herstellerangaben sind oft versteckt, aber auffindbar.
- Planen Sie Wintertouren? Falls ja, wählen Sie ein größeres Volumen.
- Worauf legen Sie Wert? Maximale Robustheit des Materials, ultraleichtes Eigengewicht oder maximaler Komfort? Entsprechend wählen wir die Modelle aus.
Vergessen Sie nicht: Einen hochwertigen Rucksack kauft man für 10–20 Jahre. Nehmen Sie sich also Zeit, probieren Sie verschiedene Modelle an und lernen Sie die Einstellmöglichkeiten kennen. Es lohnt sich, in Qualität zu investieren, um unterwegs schmerzhafte Druckstellen und Verspannungen zu vermeiden.

Größe
1. Die Größe richtet sich nicht nach der Körpergröße, sondern nach der Rückenlänge. Um Ihre Rückenlänge zu messen, neigen Sie den Kopf leicht nach vorne. Messen Sie mit einem Maßband vom hervorstehendsten Halswirbel (C7) entlang der Wirbelsäule bis zur Oberkante des Beckenkamms (Iliac Crest). Nun kann die passende Rucksackgröße exakt bestimmt werden. Meine Rückenlänge beträgt beispielsweise 48 cm, und ich nutze den Osprey Aether Pro in Größe M (46–53 cm).

Alle Abbildungen stammen von gregorypacks.com. Gregory ist einer der technologisch führenden Rucksackhersteller weltweit. Das Unternehmen entwickelte als erstes frauenspezifische Tragesysteme und legt seit jeher höchsten Fokus auf Ergonomie und Komfort.
Rückenlängen-Systeme
Es gibt im Wesentlichen 4 Größensysteme für Rucksackrücken. Oft hängt das System vom Herkunftsland des Herstellers ab.
Typ 1: XS, S, M, L. Typisch für US-amerikanische Hersteller. Entwickelt für eine hochpräzise Anpassung an die Körperproportionen. So unterscheiden sich die Größen S und M beispielsweise in der Rückenlänge sowie in der Länge des Hüftgurts und der Schulterträger.

Typ 2: XS-M, M-L. Ebenfalls häufig bei US-Marken vertreten. Eine vielseitige Option, bei der die Rückenlänge innerhalb des jeweiligen Bereichs (z. B. M-L) individuell feineingestellt werden kann.

Typ 3: Unisize (One Size / 1sz). Verbreitet bei europäischen und skandinavischen Rucksäcken. Das Rückensystem lässt sich stufenlos von XS bis L anpassen. Eine universelle Passform, die jedoch feinste anatomische Nuancen weniger berücksichtigt. Für den Onlinekauf besonders sicher, da Fehlkäufe bei der Größe nahezu ausgeschlossen sind.
Typ 4: Fixe Rückenlänge. Findet man vorwiegend bei kleineren Rucksäcken mit 15–45 Litern. Der Rucksack passt auf Anhieb – oder eben nicht.
Damenmodelle verfügen grundsätzlich über eine kürzere Rückenlänge als Herrenmodelle.


Teil 2
Vorbereitung des Rucksacks zur Anprobe
Nachdem die Größe ermittelt ist, geht es an den korrekten Sitz. Zunächst muss der Rucksack realistisch beladen werden – betrachten wir das am Beispiel eines 75-Liter-Rucksacks. Ganz nach unten kommt der Schlafsack, damit der Rucksack im Lendenbereich weich anliegt und die Realtour simuliert wird. Anschließend wird Gewicht ergänzt: Im Fachhandel packe ich meist ein 7-kg-Gewicht und zwei 5-kg-Gewichte hinein. Für Frauen sind zur Anprobe ca. 13 kg optimal, für Männer 17 kg. Bei Bedarf wird nachjustiert.
Danach müssen unbedingt alle seitlichen und frontalen Kompressionsriemen festgezogen werden, damit der Schwerpunkt eng am Körper anliegt.
Heben Sie einen schweren Rucksack am besten an zwei Punkten an: an einem Schulterträger und dem Tragegriff. Stellen Sie ihn zunächst auf dem angewinkelten Oberschenkel ab und schlüpfen Sie erst dann in die Gurte.

Der richtige Sitz des Rucksacks. Der Hüftgurt
Der Hüftgurt sorgt dafür, dass die Hauptlast auf den Hüften und nicht auf den Schultern ruht. Wie viel Gewicht komfortabel getragen werden kann, hängt maßgeblich von der Stabilität des Tragegestells ab. Für den richtigen Sitz sollte die Mitte des Hüftgurts etwa 2,5 cm oberhalb des Beckenkamms positioniert werden. Prägen Sie sich dieses Tragegefühl einmal ein – danach werden Sie den Gurt künftig ganz automatisch richtig anlegen.
Sitzt der Hüftgurt zu tief, rutscht der Rucksack ab, da er auf den Beckenknochen keinen Halt findet; die Schultergurte steigen nach oben und verursachen Scheuerstellen.
Sitzt er zu hoch, schnürt er den Bauchraum ein, behindert die Durchblutung der Beine und zieht die Schulterträger unangenehm nach unten.

Schultergurte
Die Schultergurte sollten sich gleichmäßig an Ihre Schultern anschmiegen, ohne übermäßigen Druck auszuüben, da das Hauptgewicht auf der Hüfte liegt. Sie dürfen jedoch nicht in der Luft stehen! Hochwertige Gurte sind ergonomisch geformt und müssen der Körperanatomie exakt folgen, um Reibung an Hals oder Achseln zu vermeiden. Der Ansatzpunkt der Schultergurte sollte ca. 8 cm unterhalb der Schulterblattkante liegen, wie auf der Abbildung ersichtlich.

Brustgurt
Der Brustgurt ist höhenverstellbar und wird auf Brusthöhe geschlossen. Er stabilisiert die Schultergurte in anspruchsvollem Gelände, verhindert ihr Abrutschen nach außen und entlastet die Schulterkanten. Der Gurt darf weder die Schulterpolster verziehen noch die Atmung beeinträchtigen. An der Höhe des Brustgurts erkennt man sofort, ob die Rückenlänge korrekt eingestellt ist. Bei sehr breiten Schultern kann auf ihn gelegentlich verzichtet werden.

Lageverstellriemen (Lastkontrollriemen)
Ein entscheidendes und dennoch oft vernachlässigtes Detail: Diese Riemen verbinden die Schultergurte mit dem oberen Rucksackrahmen. Sie ziehen das Gewicht nah an den Körperschwerpunkt heran, bringen Stabilität, sparen Kraft und übertragen die Last vom Oberkörper auf die Hüfte. Sie werden sofort spüren, wie sich der Druck vom Lendenbereich gleichmäßig über den Rücken verteilt. Ziehen Sie die Riemen nicht maximal an, sondern dosieren Sie präzise bis zur optimalen Position.

Feineinstellung
Die Basis ist gelegt – nun folgt die Feineinstellung. Um Druck von den Schultern zu nehmen, lockern Sie die Schultergurte minimal und ziehen die Lageverstellriemen behutsam nach – so wird spürbar mehr Gewicht auf den Hüftgurt verlagert.

Passform überprüfen
Nachdem Sie die richtige Größe gewählt, das Rückensystem eingestellt, den Rucksack fachgerecht gepackt, aufgesetzt und auf sich eingestellt haben, sollten Sie 5–10 Minuten oder länger herumlaufen, um zu spüren, wie der Rucksack sitzt. Es darf nichts an der Lendenwirbelsäule drücken — meist liegt das Problem genau dort. Am besten kommen Sie in Wanderkleidung zur Anprobe, da sonst ein Gürtel oder die Nieten einer Jeans drücken können. Dasselbe gilt für die Schulterblätter, wo die Schultergurte beginnen. Als Einsteiger kann man nach nur einer Anprobe kaum beurteilen, ob der Rucksack optimal sitzt. Probieren Sie daher unbedingt 2–4 passende Modelle an — im Vergleich ist es viel leichter zu erkennen, welcher Rucksack wirklich zu Ihnen passt. Im Idealfall fühlt er sich an wie angegossen. Das ist Ihr Rucksack: einpacken und ab zur Kasse))
Denken Sie daran: Die Wahl eines Rucksacks hängt in erster Linie von der Passform ab — nicht von Farbe, Taschen, Gewicht oder sonstigen Details.


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